Wednesday, April 08, 2009

Türkiyemspor wird in Kreuzberg heimisch


Wie wir schon vor Tagen voraussagten überschlagen sich die Ereignisse in der "leidigen Stadion- und Trainingsfrage" Türkiyemspors. Nach nunmehr 31 Jahren aktiver Vereinsarbeit, geschehen im Jahr 1 nach dem Gewinn des Integrationspreises des DFB wahre Wunder. Türkiyemspor ist nicht nur in kürzester Zeit vom "Liebling Kreuzberg" zu einem engen Partner der Berliner Politik geworden. Vertreter aller großen Parteien im Abgeordnetenhaus wurden Mitglied im Verein und nach jahrelangem Tingeln von einem Sportplatz zum anderen, welches in öffentlichen Trainings auf der Straße gipfelte, gibt es nun entscheidene nachhaltige Projekte des Senats und der Bezirke um Türkiyemspors "Haymatloz"igkeit zu beenden. Nachdem Berlins Sport- und Innensenator letzte Woche bekannt gab, das auf dem Gelände des Jahnsportparks, im Bezirk Prenzlauer Berg, Sozial und Geminschaftsräume sowie ein Trainingsplatz für Türkiyem entstehen sollen, legte nun Kreuzbergs Bezirksbürgermeister Franz Schulz, ein Konzept zum Bau von zwei Trainingsplätzen auf dem Gelände des Gleisdreiecks vor. Mit einem Investitionvolumen von 5,5 Millionen Euro, welche ebenfalls aus dem Konjunkturpaketes II des Bundes kommen sollen, könnte hier eine Heimat für die erfolgreiche Jugendabteilung des Vereins entstehen.
Kleiner Haken: Hier steht im Gegensatz zu dem Bauvorhaben am Friedrich-Ludwig Jahnsportpark, welches nur noch das Parlament abgesegnet werden muss, nicht nur eine parlamentartische Entscheidung der Verwirklichung im Wege, sondern in letzter Konsequnz wohl auch eine juristische Auseinandersetzung. Denn für den Bau der Trainingspplätze müssten auf dem Gelände 50 der 75 beheimaten Kleingärtner weichen, für einen Teil sollen in dies Ersatzflächen bereitgestellt werden. Die Kleingärtner öußerten ihren Frust in einer Erklärung, in der sie aber u.a auch die Arbeit Türkiyemspors wohlwollend erwähnten als auch den Bedarf unseres Vereins anerkannten.
So heisst es u.a. in der Erklärung: "...
Zudem wird die Konfrontation von Vereinssport und Kleingärten durch die Absicht des Bezirks, auf dem Gelände der POG zwei normengerechte Trainingsplätze für Türkiyemspor zu bauen, noch verstärkt. Es zeugt von mangelnder politischer Sensibilität, ausgerechnet eine interkulturelle Kleingartenkolonie und ein integratives multiethnisches Sportprojekt gegeneinander aufzustellen. ...
Der Beschluss der BVV Kreuzberg – Friedrichshain, den Bedarf von Türkiyemspor überbezirklich mit Hilfe des Senats zu lösen, weist in die richtige Richtung. ...


Die komplette Erklärung ist hier als pdf. Datei einzusehen: http://www.berlin-gleisdreieck.de/grafik2/laubenkolonie/Protest_Pog_Maerz_2009.pdf


Falls das Parlament den Plänen folgen solte, steht eine rechtliche Änderung des Bebauungsplanes an, der Kündigungen von Kleingärtnern laut dem Bundeskleingartengestzes vorauszugehen hat. Gegner der Sportplatzpläne am Gleisdreieck munkeln schon jetzt von Fehlern im seit 1998 laufenden Bebauungsplanverfahren und erhoffen sich einen positiven Ausgang von Klagen gegen das Verfahren.

So scheint zumindestens die Heimwerdung Türkiyemspors in Kreuzberg noch eine Weile zu dauern, denn es ist wohl nicht so leicht die unterschiedlichen Interessen am Gebiet Gleisdreieck unter einen Hut zu bekommen, wie z.b. Fußballfreunde des Kreuzberger Vereins FC Internationale schon im Mai 2008 in ironischer Weise die Pläne des Bezirks und der Proteste der Kleingärtner in ihrer Vereinszeitung "Inter aktuell" kommentierten:" Zwar stößt dieses Anliegen einigen ansässigen Gartenbesitzern etwas auf, da man Kunstrasen als unökologisch ansieht, bestimmt hat auch kein Sportler etwas gegen Naturrasenplätze. "

Ganz anders und erschreckend unkomisch sind die Äußerungen von Mitgliedern einer Integrationsfeindlichen Paralellgesellschaft (s. Link), die das Thema propagandistisch ausschlachten. Hier hilft nachhaltig wohl wirklich nur der Aufstieg Türkiyemspors in die 1. Bundesliga, auf das auch deren Nachwuchs zu leidenschaftlichen Fans von Türkiyemspor Berlin wird.

2 comments:

Anonymous said...

Kann man Heimat finden, indem man jemanden anderen vertreibt?
Türkiyemspor sollte sich für dieses fiese Spiel nicht hergeben. Wer sich das Gleisdreieck anschaut, sieht, dass Platz für beides ist, für Sport und für Gärten - es muss nur politisch gewollt werden.

Matthias Bauer, AG Gleisdreieck

Anonymous said...

Warum nicht ?
Natürlich ist das nicht schön, wenn Kleingärtner oder gegebenenfalls andere Vereine umziehen müssen. Letztendlich liegt die Entscheidung bei der Politik und wenn keine andere Lösung zur Verfügung stehen sollte, dann sollte die Politik für das Gemeinwohl entscheiden. Da Türkiyemspor in seiner gesellschaftlichen Bedeutung in der Bundesrepublik einmalig ist, wäre eine Entscheidung zu Gunsten Türkiyemspors für die Entwicklung der Bundesrepublik, in Richtung einer akzeptierten Einwanderungsgesellschaft, ein politisches Zeichen. Im Zweifel gilt: Kleingärtner gibt es viele im Land, 50 Kleingärtner sind ein Einzelschicksal, Türkiyemspor hingegen ist einmalig.

Frank Metzdorn

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